Eine Wiederholung des Schweizer Bronzewunders von 2014 wird extrem schwierig
Vor zwölf Jahren schrieb die Schweizer Eishockey-Nati der Frauen ein Märchen. In einem dramatischen kleinen Final gegen Schweden sicherte die damals 15-jährige Alina Müller mit ihrem Treffer ins leere Tor Bronze. Florence Schelling hexte zwischen den Pfosten und das Team von Trainer René Kammerer zeichnete sich durch seinen Kampfgeist aus.
Doch aus dem erhofften Boom fürs Schweizer Frauen-Eishockey wurde nichts. Seit 2014 hat die Schweizer Nati weder bei Olympischen Spielen noch bei Weltmeisterschaften eine Medaille gewonnen. Andere Länder wie Finnland oder Tschechien sind an der Schweiz vorbeigezogen. Fortschritte bezüglich der Förderung und der Ressourcen für die Frauen gibt es hierzulande erst seit einigen Jahren und wohl vielerorts nur auf Druck von Sponsoren.
7. Februar, 21.10 Uhr: Schweiz – Kanada
9. Februar, 20.40 Uhr: Schweiz – USA
10. Februar, 21.10 Uhr: Finnland – Schweiz
13. oder 14. Februar: Viertelfinal
Evtl. 16. Februar: Halbfinal
Evtl. 19. Februar: Bronzespiel/Final
Um die Früchte für die gesteigerte Professionalität im Schweizer Frauen-Hockey zu ernten, kommt das Turnier in Mailand noch zu früh. Trainer Colin Müller setzt auf bewährte Kräfte. Bronzeschützin Alina Müller (27) und Lara Stalder (31) sind die einzigen Spielerinnen, die schon beim Medaillengewinn von 2014 dabei waren. Noch viel mehr als vor zwölf Jahren wird im Schweizer Spiel alles über die beiden laufen.
Die zwei Schweizerinnen gehören zu den besten Eishockeyspielerinnen der Welt. Müller ist bei ihrem Team in Boston in der nordamerikanischen Professional Women's Hockey League (PWHL) zweitbeste Skorerin. Stalder hat in ihrer Zeit in Schweden unfassbare Skoring-Rekorde aufgestellt. Doch zwei Stars reichen noch nicht, um im internationalen Vergleich zu bestehen.
Innerhalb der Gruppen spielen die Mannschaften zunächst nach dem Modus Jeder-gegen-Jeden, sodass jede Equipe zunächst vier Spiele bestreitet. Alle Teams der höhergesetzten Gruppe A qualifizieren sich für die Viertelfinals (also auch die Schweiz), ebenso die drei punktbesten der Gruppe B. Mit der Trennung will die IIHF unnötig klare Resultate verhindern, wenn Topfavoriten wie die USA und Kanada auf schwächere Teams wie Italien oder Frankreich treffen.
Das Problem im Frauen-Eishockey: Die USA und Kanada sind so dominant, dass Gold und Silber bei jedem Turnier quasi schon weg sind. Das wird auch in Mailand nicht anders sein. Die USA sind Topfavorit, angeführt von Top-Torhüterin Aerin Frankel, Legenden wie Hilary Knight oder Kendall Coyne Schofield und jungen College-Stars wie Abbey Murphy, die das Zeug zur besten Spielerin des Turniers hat. Die Amerikanerinnen hatten so zuletzt bei der Rivalry Series im November die Kanadierinnen um die dreifache Olympiasiegerin Marie-Philip Poulin vier Mal deutlich geschlagen.
[NCAA] Nasty assist from Minnesota’s Abbey Murphy as she flips the puck into the air, knocks it between the defender’s legs and sets up her teammate for the goal
byu/tri_and_fly inhockey
Die drei restlichen Teams der Gruppe A – zuletzt waren das immer die Schweiz, Tschechien und Finnland – kämpfen dann jeweils noch um Bronze. Und da hatte die Nati zuletzt (fast) immer das Nachsehen. Im Dezember bezwangen die Schweizerinnen Finnland an der Euro Hockey Tour erstmals seit zwei Jahren wieder. Der letzte Sieg gegen Tschechien kam im August 2024 nach Penaltys zustande. Im WM-Viertelfinal des vergangenen Aprils waren die Schweizerinnen beim 0:7 gegen die Tschechinnen aber absolut chancenlos.
Hoffnung darf die Nati unter anderem aus dem Modus schöpfen. Aufgrund der Gruppenzuteilung ist das Team von Colin Muller bereits fix für die Viertelfinals qualifiziert. In den Gruppenspielen geht es darum, sich eine möglichst vorteilhafte Ausgangslage für die K.o.-Phase zu erspielen. Aber auch mit nur Niederlagen in der Vorrunde bleibt die Medaillenchance der Schweizerinnen bestehen – solange sie den Viertelfinal erfolgreich gestalten können.
Ob dieser Modus sportlich sinnvoll ist, darf durchaus diskutiert werden. Sollten die Schweizerinnen nach einer sieglosen Gruppenphase aber tatsächlich eine Medaille gewinnen, wird das am Ende niemand hinterfragen – schliesslich geht es bei den Olympischen Spielen meist auch darum, am Tag X bereit zu sein.
Neben Müller und Stalder müssen dafür auch Grössen aus der Schweizer Liga wie Sinja Leeman, Ivana Wey oder Lena-Marie Lutz performen. Und im Tor muss Andrea Brändli (in der schwedischen Liga zum zweiten Mal in Folge eine Fangquote von über 94 Prozent) beweisen, dass sie zu den besten Torhüterinnen der Welt gehört.
